Anbei der Artikel aus dem Merkur vAnna Liebelt
Ferdinand Rampf tritt am Freitag in North Carolina gegen die Elite seiner Altersklasse an. Knapp 150 Kinder spielen um den Titel – der Viertklässler ist der einzige deutsche Starter in der AK 10.
Egmating – Schulterbreit steht Ferdinand Rampf auf dem makellos grünen Rasen der Golfanlage Schloss Egmating. Seine braun gebrannten Knie sind leicht gebeugt, der im weißen Polohemd steckende Oberkörper fast schon lehrbuchartig nach vorn geneigt. Ein kurzer, tiefer Atemzug, dann schwingt der blonde Bub mit seinem Schläger aus – und der Golfball schießt in die Luft.

Viel zu Fuß unterwegs: Bei einem 18-Loch-Golfplatz legt der Zehnjährige bis zu sechs Kilometer zurück. Immer mit dabei: sein knapp 15 Kilogramm schwerer Trolley. © Stefan Rossmann
„Ach, Mann“, stöhnt der Zehnjährige keine zwei Sekunden später etwas enttäuscht, während die kleine, weiße Kugel über 90 Meter weiter vorn ein bisserl rechtslastig neben der anvisierten Flagge ins Gras einschlägt. „Den hast du jetzt nicht ganz so ideal getroffen“, kommentiert Golftrainer Dominic Zrenner kurz darauf den Abschlag seines Schützlings, den Blick fix auf zwei Tablet-Bildschirme mit der Slow-Motion und jeder Menge Zahlen gerichtet. „Beim Ausholen bist du ein bisschen zu weit nach vorn. Aber das macht es aus“, sagt er.
Einziger deutscher WM-Teilnehmer in seiner Altersklasse
Für einen Laien vermutlich kaum bemerkbar, ist es für das junge Golftalent an diesem sonnigen Trainingsnachmittag auf der vollbesuchten Range in Egmating wichtige Millimetertechnik. Millimeter, die bei seinem wohl größten Turnier am kommenden Freitag zwischen Triumph und Niederlage entscheiden können. In Pinehurst, North Carolina (USA), tritt der Viertklässler dann bei der U.S. Kids Golf World Championship gegen die Elite seiner Altersklasse an – gegen die Besten der besten Juniorgolfer der Welt.
Knapp 150 Kinder spielen im amerikanischen Mekka des Golfes um den größten Titel ihrer noch jungen Karriere. Mit dabei: Ferdinand Rampf, als einziger Deutscher seiner Altersklasse, der AK 10. „Dass er sich überhaupt qualifiziert hat, ist schon eine wahnsinnige Leistung“, bekennt sein Trainer stolz, aber nicht sonderlich verwundert. Denn der Zehnjährige bringt etwas mit sich, das nur wenigen Kindern gelingt: „Er ist brutal ehrgeizig, lässt sich aber von einem Misserfolg nicht zurückfallen“, attestiert Zrenner seinem Schützling die für den Golfsport so wichtigen Werte.
Derweil hat der Bub aus Glonn erst vor wenigen Jahren mit dem Golfen angefangen. Eher aus Zufall, wie seine Mama Marion erzählt. Sie hatte von ihrem Mann einen Gutschein für die Platzreife erhalten – und ihrem Bub kurzerhand auch einen Schläger gekauft. „Seitdem vergeht kein Tag, an dem er nicht auf dem Golfplatz ist“, sagt sie lachend.
Zweimal die Woche trainiert Ferdinand unter Aufsicht an seiner Technik und Athletik. Die restliche Zeit feilt er eigenständig, übt Tricks und Abschläge. Zum Geburtstag hat sich der Zehnjährige sogar einen eigenen Putting-Platz samt Kunstrasen und zwei Löchern in den Garten gebaut. „Dann kann ich noch mehr üben“, erklärt er schmunzelnd.
Es ist diese Mischung aus Ehrgeiz und Leidenschaft, die den jungen Glonner auszeichnet, ihn ungeschlagen durch die Qualifikation getragen hat. Gleich dreimal hat er die vorangegangene Turnierserie hintereinander gewonnen. Bei den Turkish Junior Open den zweiten Platz belegt. Mit einem Handicap von 12,0 gehört Ferdinand zur oberen Elite. Einen Erfolg, den er bei der WM verteidigen will: „Ich möchte natürlich gewinnen“, sagt er lächelnd. Ob der Weltklasse-Konkurrenz bekennt der Zehnjährige aber auch: „Es wird schwierig.“

Gehört zu den Besten der Besten in seinem Jahrgang: Der zehnjährige Ferdinand Rampf aus Glonn fliegt zur Junior-Weltmeisterschaft nach Pinehurst (USA). © Stefan Rossmann
Zumal auch die Platzvoraussetzungen – anders als im hügeligen, baumumwachsenen Egmating – herausfordernd sein werden. „Es kann sehr windig werden am Meer“, weiß Zrenner, der vor seiner Profikarriere selbst schon dort abschlug. „Dann musst du schauen, dass der Ball flacher fliegt.“
Ein Rat, den der Zehnjährige kurzerhand einfach trainiert: Zielstrebig greift er zum Eisen 7, platziert sich mit leicht gebeugten Knien und geneigtem Oberkörper parallel zum Golfball, schwingt aus – und setzt den Ball hundert Meter weiter vorn neben die Fahne. „Ein super Treffer“, lobt Zrenner. „Ist okay“, entgegnet sein ehrgeiziger Schützling.
Link zum Artikel: Zehnjähriger aus Glonn fliegt zur Golf-WM nach USA


